Serienkiller 02 – Ted Bundy

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Theodore Robert „Ted“ Bundy (geborener Cowell; * 24. November 1946 in Burlington, Vermont; † 24. Januar 1989 im Florida State Prison bei Starke, Florida) war ein US-amerikanischer Serienmörder und Sexualstraftäter, der zwischen 1974 und 1978 mindestens 30 junge Frauen und Mädchen in den Bundesstaaten Washington, Utah, Colorado, Oregon, Idaho und Florida tötete. Nach seiner endgültigen Festnahme wurde er zum Tode verurteilt und im Florida State Prison auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Er ist weltweit einer der bekanntesten Serienmörder, insbesondere aufgrund einer umfassenden medialen Begleitung seines Falls sowie zahlreicher postumer Verfilmungen und künstlerischer Verarbeitungen.

 

Beginn der Mordserie in Washington und Oregon
Es ist ungewiss, wann Bundy seine Mordserie begann, da er widersprüchliche Angaben machte. Zu den am weitesten zurückliegenden Taten, die er gestand, gehört der Mord an einer unbekannten Anhalterin im Mai 1973 in Olympia.[12] 1974 häuften sich die Vermisstenfälle junger Frauen im US-Bundesstaat Washington. Die 21-jährige Lynda Healy war die Erste, die verschwand. Am 31. Januar 1974 war Bundy in ihr Studentenwohnheim in Seattle eingedrungen und hatte sie aus ihrem Zimmer entführt. Er fuhr mit ihr zum Taylor Mountain, wo er sie vergewaltigte und tötete.[13] Am 12. März 1974 verschwand die 19-jährige Donna Manson auf dem Weg zu einem Konzert, doch die Polizei brachte ihr Verschwinden nicht mit dem von Healy in Zusammenhang.[14]

Bundys VW Käfer, in dem er seine Opfer mitnahm.
Am 17. April 1974 verschwand die 18 Jahre alte Susan Rancourt auf dem Weg zu einer Filmvorführung in Ellensburg.[15] Später meldete sich eine Zeugin bei der Polizei und berichtete, ihr sei drei Tage zuvor ein Mann mit einem verbundenen Arm am Eingang zur Bibliothek von Ellenburgs Central Washington State College begegnet, der den Anschein erweckt habe, er benötige Hilfe beim Tragen seiner Bücher. Sie hatte ihm die Bücher daraufhin zu seinem VW Käfer getragen und bemerkt, dass der Beifahrersitz des Wagens fehlte. Als der Mann sie in schroffem Ton aufgefordert hatte, in den Wagen zu steigen, war sie davongelaufen.[16] Ein weiterer Vermisstenfall kam am 6. Mai 1974 im US-Bundesstaat Oregon hinzu, nachdem die 22-jährige Roberta Parks nicht von einem Spaziergang in Corvallis zurückgekehrt war.[17] Am 1. Juni 1974 verschwand Brenda Ball auf dem Heimweg von einer Kneipe in Burien. Zehn Tage später verlor sich Georgann Hawkins’ Spur auf dem Weg vom Haus eines Freundes zu ihrer Studentenverbindung in Seattle. Die Seattle Times berichtete nun erstmals von einer möglichen Verbindung zum Healy-Fall.[18] Außerdem meldeten sich Zeugen, die am Ort von Hawkins’ Verschwinden einen Mann auf Krücken beobachtet hatten, dessen Beschreibung auch auf den VW-Käfer-Besitzer mit dem verbundenen Arm passte, der am 14. April 1974 in Ellensburg gesehen worden war.[19]

Die Polizei ermittelte in alle Richtungen, begegnete aber dem in den Medien aufkommenden Verdacht, dass ein Serienmörder am Werk sein könnte, noch mit Zurückhaltung.[20] Dies änderte sich, als am 14. Juli 1974 am Lake Sammamish im King County gleich zwei junge Frauen, Janice Ott und Denise Naslund, verschwanden. Unter den schätzungsweise 40.000 Menschen, die den See an dem Tag besucht hatten,[21] fanden sich mehrere Zeugen, die einen Mann mit Armschlinge beobachtet hatten, der junge Frauen angesprochen und sich als „Ted“ vorgestellt hatte. Einige der Angesprochenen berichteten, der Mann habe sie um Hilfe beim Beladen seines VW Käfers gebeten. Eine weitere Zeugin hatte Ott mit ihm mitgehen sehen.[22] Die Polizei verfügte nun über ein Tatmuster sowie eine genaue Beschreibung des Verdächtigen und leitete die öffentliche Fahndung nach dem Volkswagen fahrenden „Ted“ ein. Aus der beunruhigten Bevölkerung gingen tausende Anrufe bei den Behörden ein,[23] die jedem geäußerten Verdacht nachgingen. Der eingegangene Hinweis auf den politisch engagierten Jurastudenten Ted Bundy wurde dabei rasch als abwegig abgehakt.[17]

Alle acht vermissten Frauen waren jung, attraktiv und trugen ihre langen Haare in der Mitte gescheitelt. Deshalb ging die Polizei inzwischen von einer Verbindung der Fälle aus und erkannte ein zeitliches Muster: „Ted“ suchte seine Opfer in regelmäßigen, etwa monatlichen Abständen. Doch anstelle einer von Ermittlern befürchteten diesbezüglichen neuen Nachricht im August[24] gab es erst Anfang September 1974 die ersten Leichenfunde. In einem Waldgebiet bei Issaquah waren Jäger auf menschliche Knochen gestoßen, die mithilfe von Röntgenaufnahmen und zahnärztlichen Unterlagen Ott und Naslund zugeordnet werden konnten. Am Fundort der beiden Vermissten wurden außerdem die sterblichen Überreste einer dritten Frau entdeckt, die jedoch nicht identifiziert werden konnte.[25] Im März 1975 wurden Leichenteile von Brenda Ball, Susan Rancourt, Roberta Parks und Lynda Healy weitläufig verstreut am Taylor Mountain in der Nähe von Issaquah gefunden.[26]

Fortsetzung der Mordserie in Utah
Im Herbst 1974 endete die Serie von Vermisstenfällen in Washington. Die ermittelnden Polizeibehörden gingen deshalb davon aus, dass der Mörder weitergezogen war. Tatsächlich hatte Bundy zum Herbstsemester seinen Wechsel an die University of Utah vollzogen. Am 2. Oktober 1974 verschwand in einer Vorstadt Salt Lake Citys die 16-jährige Schülerin Nancy Wilcox, die zuletzt in einem vorbeifahrenden VW Käfer gesehen wurde. Die ein Jahr ältere Melissa Smith, Tochter des Polizeichefs im nahegelegenen Midvale, verschwand am Abend des 18. Oktober 1974, nachdem sie laut Zeugen per Anhalter unterwegs gewesen war. Smiths nackte Leiche wurde zehn Tage später in einer Schlucht gefunden. Bei der Autopsie wurden ein Schädelbruch und hoher Blutverlust festgestellt. Es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass das Opfer nach seinem Verschwinden noch bis zu einer Woche gelebt hatte. Außerdem stellte der Gerichtsmediziner fest, dass Smith vergewaltigt worden war.[27]

In der Halloween-Nacht 1974 verschwand die 17-jährige Laura Aime nach einer Party in Orem; ihre Leiche wurde am 27. November 1974 in einem Gebirge nahe Salt Lake City gefunden.[28] Am 7. November 1974 wurde die 19-jährige Carol DaRonch in einem Einkaufszentrum in Murray von einem nicht uniformierten Mann angesprochen, der sich als „Officer Roseland“ von der örtlichen Polizei vorstellte. Er behauptete, DaRonchs Auto sei aufgebrochen worden, und bat sie, ihn auf die Wache zu begleiten. Nachdem er ihr eine Marke gezeigt hatte, stieg DaRonch in „Officer Roselands“ VW Käfer. Während der Fahrt versuchte der Mann ihr plötzlich Handschellen anzulegen und bedrohte sie mit einer Waffe. DaRonch gelang es jedoch, während der Fahrt aus dem Wagen zu springen, und sie erstattete bei der Polizei von Murray Anzeige.[29] Noch am selben Tag verschwand Debra Kent, die wenige Meilen nördlich von Murray mit ihren Eltern eine Theateraufführung an der Viewmont Highschool in Bountiful besucht hatte und zuletzt während der Pause des Stücks auf dem Weg zum Schulparkplatz gesehen wurde. Eine 24-jährige Lehrerin berichtete der Polizei später, ihr sei ein gutaussehender Mann aufgefallen, der während der Aufführung hinter den Kents gesessen habe. Derselbe Mann habe sie vor Beginn des Stücks mehrmals angesprochen und versucht, sie unter einem Vorwand zum Parkplatz zu locken.[30]

Colorado-Morde
Die Krankenschwester Caryn Campbell, die mit ihrem Freund zum Skilaufen in Snowmass nahe Aspen war, verschwand am 12. Januar 1975. Zeugen hatten die junge Frau zuletzt allein auf dem Weg zu ihrem Hotelzimmer gesehen, wo sie jedoch nie ankam. Ihre gefrorene Leiche wurde im März 1975 an einer unbefestigten Straße nahe Snowmass Village gefunden. Die Leichenschau ergab ein tödliches Schädel-Hirn-Trauma durch stumpfe Gewalteinwirkung. Eine Vergewaltigung ließ sich weder bestätigen noch ausschließen.[31]

Am 15. März 1975 verschwand die Skilehrerin Julie Cunningham in Vail spurlos. Die 25 Jahre alte Denise Oliverson wurde zuletzt am 6. April 1975 in Grand Junction lebend gesehen, als sie nach einem Besuch bei ihrem Freund mit dem Fahrrad nach Hause fuhr. Ihr Fahrrad wurde später unter einer Straßenüberführung gefunden, von Oliverson selbst fehlte jede Spur.[32]